Freitag, 8. Juni, 19:30 Uhr

Zweites Friedenskirchengespäch

Kategorie: Grunow Praxis Termine
Maria in der Ökumene (Arbeitstitel)

nähere Infos werden an dieser Stelle noch bekannt gegeben.

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Erstes Friedenskirchengespräch am 19.05.2017 in der Ev. Friedenskirche in Windeck-Schladern:

Zum Christlichen Dialog mit Muslimen

Referent: Dr. Oliver Cremer, Pfarrer, Rosbach

Podiumsdiskussionsteilnehmer: Anja Karthäuser, Pfarrerin, Waldbröl;

Klaus Schmidt, Theologe, Historiker, Köln; Jochen Döring, Botschafter i.R., Schladern, Berlin;

Moderator: Dr. Hubert Grunow, Theologe, Philosoph, Konzertsänger, Windeck-Rossel

Eine Initiative von Dr. Frieder Döring, Arzt, Schriftsteller, Schladern

 

Nachdem Frieder Döring als Vorsitzender des einladenden Ev. Kirchbauvereins Schladern die Teilnehmer und Gäste begrüßt hatte, verwies er auf den Anlass dieses Gespräches, auf die sog. Arbeitshilfe der Ev. Kirche im Rheinland „Weggemeinschaft und Zeugnis im Dialog mit Muslimen“ von 2016, die in dem Kernsatz gipfelt „Eine strategische Islammission oder eine Begegnung mit Muslimen in Konversionsabsicht bedroht den gesellschaftlichen Frieden, widerspricht dem Geist und Auftrag Christi und ist entschieden abzulehnen.“ Und gegen diese Arbeitshilfe hatte das Presbyterium der Kirchengemeinde Rosbach im Herbst 2016 eine Gegendarstellung beschlossen, die in den Satz mündet: „Deutlich widersprechen wir der Anregung der Arbeitshilfe, den Missionsauftrag Jesu (Mt 28, 18-20) nur als internen (Bildungs-) Auftrag zu hören. Dieses Verständnis wird weder dem biblischen Text noch unserer gesellschaftlichen Situation gerecht…“

Danach legte Oliver Cremer als Vorsitzender des Rosbacher Presbyteriums in einem klar gegliederten Referat mit dem Titel „Christliches Zeugnis gegenüber Andersgläubigen nach dem Neuen Testament“ die Gründe dar, die zu der Stellungnahme des Presbyteriums geführt hatten. Besonders bezog er sich dabei auf den Codex des Weltkirchenrates von 2011, in dem Missionieren als essentieller Bestandteil des Christseins erklärt wird.

Anschließend stellte Hubert Grunow die Teilnehmer der Podiumsdiskussion vor und gab das Wort wieder an Fieder Döring, der die 13 Kernaussagen der Arbeitshilfe der Landeskirche vorlas, damit im Publikum ein ausreichender Informationsstand vorlag.

Hubert Grunow ließ dann zunächst einmal alle Podiumsdiskussionsteilnehmer zu Wort kommen, wobei Anja Karthäuser die Bedeutung des christlichen Profils für Dialogteilnehmer hervorhob, Klaus Schmidt die Vielfach-Interpretierbarkeit der biblischen Texte anhand der Frage nach der Jungfrauengeburt schilderte, Jochen und Frieder Döring aufgrund ihrer Erfahrungen in muslimischen Ländern sich gegen eine aktive Missionierung äußerten. Der Moderator schloss als Theologe mit der Frage ab, ob die neuere Übersetzung von Mt. 28, 19 mit: „Darum gehet hin und lehret alle Völker…“ nicht doch einen Bildungsauftrag bedeute. Oliver Cremer antwortete, dass es eben auf den Inhalt der Lehre ankomme, nämlich Mt. 28, 20 „und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“

Dann leitete Hubert Grunow nahtlos auf die inzwischen vorhandenen Wortmeldungen aus dem Publikum über und es entspann sich eine heftige, aber dank der geschickten Moderation, fair geführte Diskussion von eineinhalb Stunden zwischen den Podiumsdiskutanten und dem Publikum, wie auch zwischen den Teilnehmern im sehr vielfältig strukturierten Publikum selbst. Es waren Muslime, eine katholische Philippinin, deutsche Katholiken, konservative und evangelikale Protestanten, russischstämmige Baptisten, moderate und sozialistische Protestanten, kirchenfreie Christen, Agnostiker und Atheisten bunt gewürfelt in dieser Diskussion eifrig im Gespräch. Nach zwei sehr bezeichnenden Stellungnahmen, einmal von dem Syrienflüchtling Chaled: „In unserer syrischen Stadt haben bis vor kurzem Christen und Muslime über Jahrhunderte im besten nachbarschaftlichen Verhältnis miteinander gelebt und brauchten sich nicht gegenseitig zu missionieren sondern nur sich zu mögen und zu helfen“ und zum anderen von der Philippinin Ruth: „Es ist doch alles sehr einfach! Ich weiß, Gott liebt mich, und er liebt auch die anderen Menschen, dann ergibt sich alles Weitere von selbst!“, musste Hubert Grunow die eher zunehmende Diskussions- und Gesprächsbereitschaft wegen der übers Limit fortgeschrittenen Zeit mit der Autorität des Moderators ausbremsen. Er dankte allen Teilnehmern und Gästen und verabschiedete sie in den Abend. Die Gespräche zwischen den Teilnehmern setzen sich im Parkett noch eine ganze Weile fort, bevor sich die Friedenskirche leerte, die ihrem Namen wieder Ehre gemacht hatte.

Frieder Döring